Tram Frankfurt (Oder)

Nach 31 Jahren Linie 4 wieder eingerichtet
Montag, 5. Juli 1976

Als Linie 4 am Wilhelmsplatz 1938
Als Linie 4 am Wilhelmsplatz 1938

Im Jahr 1925 gab es erstmals eine Linie 4 bei der Frankfurter Straßenbahn. Im Juni des Jahres war sie zwischen Wilhelmsplatz (heute Platz der Republik) und dem Buschmühlenweg mit dem Endpunkt Chausseehaus (zwischen den heutigen Bus-Haltestellen Eichwaldweg und Grenzbahnhof) eingeführt worden. Bis dahin fuhr seit einem Vierteljahrhundert die sogenannte Grüne Linie vom Buschmühlenweg zum Schlachthof in der Lebuser Vorstadt. Doch schon wenige Monate nach Einführung der neuen Linie 4 übernahm den Verkehr im Buschmühlenweg die Linie 3 (Friedhof - Chausseehaus). Viel los war im Buschmühlenweg schon damals nicht. Daher wurde am 1. April 1938 die Linie 3 zum Rathaus verlegt. Der Buschmühlenweg wurde von der erneut eingeführten Linie 4 bedient. Wie schon 1925 pendelten die Wagen der Linie 4 nur zwischen Wilhelmsplatz und Chausseehaus. Wegen des geringen Verkehrsaufkommens fuhren hier häufig die ältesten Fahrzeuge, teilweise wurde sogar weibliches Personal eingesetzt. Im September 1945 wurde dem Trauerspiel schließlich ein Ende gesetzt, die Linie 4 wurde eingestellt. Lindenstraße und Buschmühlenweg wurden, wie von 1925 bis 1938, wieder von der Linie 3 bedient.

1979 am Stadion: Linie 4
1979 am Stadion: Linie 4

Nach Stalins Tod wurden Buschmühlenweg und Lindenstraße 1953 zur Stalinallee. In dieser Ecke der Stadt hat man Diktatoren gern mal einen Straßennamen spendiert. So hieß der Anger an der Lindenstraße von 1935 bis 1945 Adolf-Hitler-Platz. 1965 war Stalin nicht mehr opportun, also wurde der Straßenzug zur Oderallee. Erst 1992 wurden die historischen Namen Buschmühlenweg und Lindenstraße wieder eingeführt. 1970 war unterdessen der Straßenbahnverkehr im Buschmühlenweg eingestellt worden. Das seit Jahrzehnten schwache Verkehrsaufkommen rechtfertigte keine Investitionen in die dringend sanierungsbedürftige Strecke. Lediglich in der Lindenstraße zwischen Platz der Republik und dem Stadion der Freundschaft blieben die Gleise in Betrieb. Ab 1971 bediente die Linie 1 (Bahnhof - Stadion) den Abschnitt. Mit dem Streckenausbau im Südwesten der Stadt (April 1976 Friedhof – Südring) erwachte die bis dahin einstellungsbedrohte Frankfurter Straßenbahn langsam wieder zu neuem Leben. Am 4. Juli 1976 wurde die Stichstrecke zum Bahnhof stillgelegt, um Baufreiheit für eine Neubaustrecke durch den Stadtteil Altberesinchen zu schaffen. Die Linie 1 wurde für 5 Jahre eingestellt. Am Tag darauf, Montag 5. Juli 1976, wurde die neue Linie 4 nach fast 31 Jahren wieder eingeführt und übernahm die Strecke zum Stadion. Sie verband sie fortan mit der Neubaustrecke zum Südring. Zunächst fuhr Linie 4 nur mit Solo-Zweiachsern oder ließ ihren Beiwagen am Platz der Republik, um Solo zum Stadion zu fahren, wo zunächst eine Umsetzanlage fehlte. Im September 1976 wurde die Kuppelendstelle am Stadion fertiggestellt. Linie 4 fuhr nun teilweise mit Beiwagen bis zum Stadion. Im Juni 1979 wurde die Linie 4 vom Endpunkt Südring bis zur Kopernikusstraße verlängert. Auch der Einsatz von Solo-Fahrzeugen endete etwa in dieser Zeit.

1991 am Platz der Republik
1991 am Platz der Republik

Im Oktober 1985 fuhr die Linie 4 erstmals in ihrer Geschichte nicht durch die Lindenstraße. Statt am Stadion endete sie für 5 Jahre an der Großen Oderstraße (heute Europa-Universität). Die Einführung der neuen Tatrabahnen vom Typ KT4D stand damals kurz bevor. Diese aber benötigen dringend eine Wendeschleife, die am Stadion nicht vorhanden war. Seit November 1987 sind KT4D auf der Linie im Einsatz. Im Oktober 1988 übernahm die Linie 4 die Streckenverlängerung von der Kopernikusstraße zum Halbleiterwerk (heute Markendorf). Mit der Fertigstellung der Wendeschleife am Stadion im September 1990 kehrte die Linie 4 schließlich in die Lindenstraße zurück. Seitdem fährt sie zwischen Markendorf und Stadion.