Tram Frankfurt (Oder)

Umsteigestation Platz der Republik eröffnet
Samstag, 1. Oktober 1983

Haltestelle Zentrum in den 1980er Jahren
Haltestelle Zentrum in den 1980er Jahren

Zehn Tage früher als geplant konnte die neue Umsteigehaltestelle Platz der Republik (heute Zentrum) in Betrieb genommen werden. Die alte Haltestelle, ebenfalls Platz der Republik genannt, befand sich an der Kreuzung Wilhelm-Pieck-Straße (heute Heilbronner Straße) / Karl-Marx-Straße / Oderallee. Dabei hielten die Linien von der Lebuser Vorstadt nördlich der Kreuzung, die Linien vom Stadion südlich. Seit 1976 die Linien 3 und 4 von unterschiedlichen Haltestelleninseln in Richtung Kopernikusstraße fuhren, rannten Fahrgäste über die Kreuzung wenn am anderen Bahnsteig eine Bahn in die gewünschte Richtung erschien.

Am 01.10.1983 wurde die Haltestelle unter Beibehaltung des alten Namens verlegt. Etwa zweihundert Meter westlich hielten nun in der Wilhelm-Pieck-Straße alle Straßenbahnlinien an einer Station. Die Umsteigewege zur Bushaltestelle Karl-Marx-Straße (heute auf Höhe der Haltestelle Brunnenplatz) erhöhten sich dadurch beträchtlich. Umsteigestation zwischen Bahn und Bus wurde der Bahnhof, allerdings sind auch dort die Wege weit. Auf die Idee, auch die Buslinien an der neuen Haltestelle in der Wilhelm-Pieck-Straße halten zu lassen, kam man erst in den 1990er Jahren.

Der Inbetriebnahme der neuen Haltestelle gingen monatelange Bauarbeiten zwischen Bahnhofstraße und Platz der Republik voraus. Da diese Bauarbeiten vorfristig fertig wurden, gilt für die Straßenbahn schon ab 1. Oktober der neue Fahrplan, der offiziell erst am 10.10.1983 Gültigkeit erlangt. Die Regionalzeitung Neuer Tag feierte die Sanierung von 300 Metern Straße als sei soeben der erste bemannte Flug ins All gelungen. So schreibt Verkehrsbauleiter Wolfgang Wüstefeld am 30.09.1983: Heute können wir nun melden: Unser Ziel haben wir eine Woche vorfristig erfüllt. Wir wissen, wie hoch die Belastungen für die Frankfurter waren, wie sehr sie auf den Abschluß der im Mai begonnen Arbeiten gewartet haben. Das hat viele Kollektive beflügelt, noch größere Anstrengungen in dieser ohnehin kurzen Bauzeit zu unternehmen. Aber wir haben es geschafft. In Gemeinschaftsarbeit. Darauf sind wir stolz. Verkehrs- und Tiefbaukombinat, Kraftverkehr, aber auch Energieversorgung und Abwasserbehandlung sowie der VEB Bau und der VEB Grünanlagen haben eng zusammengearbeitet. Auf Handschlag und Vertrauen. Reibungslos ging es nicht, und mancher hat noch zögernd eingeschlagen, dann aber war sein Handschlag verbindlich. Mit der heutigen Übergabe der Wilhelm-Pieck-Straße beweisen wir es. (...) Die Arbeit ist geschafft. Es waren harte Monate. Und wenn wir heute wieder das Signal auf freie Fahrt stellen, erfüllt mich das als Frankfurter mit Stolz, denn was wir in den letzten Jahren geschaffen haben, ist zu unser aller Nutzen. (...) Was uns heute so selbstverständlich, so lange ist es noch gar nicht her. An einem Tag wie heute wird es einem erst so recht bewußt.

Der Umgestaltung des Platz der Republik (ehemaliger Wilhelmsplatz) fiel auch das südliche der beiden 1925/26 erbauten Verkehrshäuschen der Frankfurter Straßenbahn zum Opfer. Das nördliche blieb erhalten und beherbergt heute das Kundenzentrum der StadtverkehrsGmbH (SFV). Das abgerissene Häuschen wich dem breiteren Querschnitt der Wilhelm-Pieck-Straße (heute Heilbronner Straße) und der größeren Ausrundung zur Karl-Marx-Straße. Ebenfalls entfernt wurde die ehemals nördliche Umfahrung des Wilhelmsplatzes, in den letzten Jahren als Busstraße bezeichnet und zum Schluss nur noch vereinzelt als Endstation für Busse (im Schienenersatzverkehr oder für den Saisonverkehr zum Helene-See) genutzt. Von 1929 bis zur Fertigstellung des neuen Busbahnhofes am Bahnhof Ende der 1960er Jahre endeten in dieser kleinen Straße die meisten Frankfurter Buslinien.