Betriebshöfe der Frankfurter Straßenbahn
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Betriebshof und Elektrizitätswerk Bachgasse

Betriebshof Neuberesinchen


Betriebshof und Elektrizitätswerk Bachgasse
 

Im Jahre 1898, mit Aufnahme des elektrischen Straßenbahnbetriebes in Frankfurt (Oder), wurde der Betriebshof in der Bachgasse direkt in der Innenstadt eingeweiht. Nach jahrelangen Diskussionen, welche Antriebsart eine Straßenbahn in Frankfurt erhalten sollte, lag der Stadt 1896 ein gutes Angebot der Allgemeinen Elektricitäts Gesellschaft (AEG) vor, man erwarb ein geeignetes Grundstück zur Anlage eines Straßenbahnbetriebshofes nebst einer "Kraftstation" an der Fischerstr. 6 / Bachgasse 4. Auf dem Gelände befand sich eine Gärtnerei und ein völlig verwilderter Park. Das Areal der Gärtnerei wurde später zur Erweiterung des Straßenbahnhofes genutzt. Der älteste Teil des Betriebshofes ist übrigens der heute von der Museumswerkstatt genutzte westliche Teil des Depots. Am 20. Dezember 1897 nahm das Elektrizitätswerk seine Arbeit auf und kurz vor Weihnachten brannte erstmals elektrisches Licht mit Strom aus diesem E-Werk. Schon mit der Beschaffung weiterer Motorwagen kurz vor der Jahrhundertwende wurde ein Ausbau des Betriebshofes nötig und bereits Anfang 1899 von der AEG beantragt. Nur etwa 100 Meter von der Oder entfernt gelegen, war dieser Betriebshof aber auch immer wieder während der Oderhochwasser nicht nutzbar. Fahrzeuge und Werkstatt mussten dann ausgelagert werden, die Bahnen wurden derweil häufig auf höher gelegenen Streckenabschnitten abgestellt. Das Bild zeigt den Betriebshof an der Bachgasse um das Jahr 1960.

Foto: unbekannt


In den 1920-er Jahren erfolgte der Bau einer neuen Wagenhalle, das Netz und das Fahrtenangebot wurden inzwischen so ausgeweitet, dass sich der Wagenbestand seit dem Gründungsjahr mehr als verdoppelt hat. Waren 1898 noch 31 Trieb- und Beiwagen vorhanden, so weist die Statistik für 1927 bereits 73 Fahrzeuge aus. Hinzu kamen 7 Arbeitswagen. Im November 1930 suchte ein verheerendes Hochwasser die Stadt heim, der Pegelstand der Oder erreichte 5,35 m über normal, die Innenstadt und auch der Betriebshof waren überflutet. In den 1940-er Jahren hatte der Betriebshof 15 Gleise, ein Gleis in die Werkstatt und ein Gleis zur Schlosserei an der Fischerstraße. Ein Bombentreffer vor dem Depot hatte 1945 die Zufahrt zu den Wagenhallen und zur Werkstatt unmöglich gemacht. Im März 1947 stand das Depot bei einem erneuten schweren Hochwasser unter Wasser.


In den 1950-er und 1960-er Jahren stagnierte die Entwicklung der Frankfurter Straßenbahn. Ihr Fortbestand war lange Zeit nicht gesichert. Erst Anfang der 1970-er Jahre setzte eine Wende ein. Mit dem Wachsen des Netzes vor allem ab Ende der 1970-er Jahre wurde es unmöglich während der Betriebspausen alle Fahrzeuge in den Wagenhallen abzustellen. Es wurden daher mehr und mehr Gleise benötigt auf denen Fahrzeuge im Freien abgestellt werden konnten. In den 1980-er Jahren waren das vor allem das stadtwärtige Gleis der Strecke zum Stadion und das Gleisdreieck an der Johann-Eichorn-Straße (damals Straße des Roten Oktober). Die Strecke zum Stadion war somit aber nur noch eingleisig befahrbar. Mittels Ausweichen auf Höhe der Gertraudkirche und an der damals noch Kuppelendstelle am Stadion fuhren die Züge der Linie 2 an den abgestellten Fahrzeugen vorbei. Auch ein nicht mehr genutztes Gleis am Carthausplatz (damals Platz der Deutsch-Polnischen-Freundschaft) wurde zum Abstellen vorübergehend nicht benötigter Wagen genutzt. Da Fußballfans allerdings nach einem Spiel gern etwas derb mit ihrer Umwelt umgehen, war das Abstellen von Straßenbahnwagen direkt vor dem damals vom FC Vorwärts Frankfurt (Oder) bespielten Stadion wenig vorteilhaft. Das Gleisdreieck an der Johann-Eichorn-Straße wurde bis 1988 nicht für Linienfahrten und auch nicht für Ein- oder Aussetzer benötigt. Daher wurden auch dort Fahrzeuge abgestellt. Ferner wurde bereits Mitte der 1980-er Jahre am heutigen Mühlenweg (damals Dimitroffallee) ein Gleisdreieck zum geplanten neuen Betriebshof Neuberesinchen errichtet. Auch dort standen die Fahrzeuge dicht gedrängt. Ebenfalls auf freier Strecke wurden zwischen den Haltestellen Südring und Kopernikusstraße und zwischen Wintergarten und Mühlenweg Fahrzeuge abgestellt. Für all diese Abstellflächen galt: die Wagen standen im Freien. Das Foto zeigt den gut gefüllten Betriebshof in der Bachgasse im Herbst 1990.

Foto: Michael Busse, Berlin


Anfang der 1980-er Jahre begannen halbherzige Modernisierungen im Betriebshof Bachgasse. Dabei entstand 1985 auch die Wendeschleife Große Oderstraße (heute Europa-Universität). Bei deren Bau wurde die Zufahrt zu Wagenhalle und Werkstatt geändert. Statt von Westen, führten die Gleise nun von Osten in die Hallen, so dass die Bahnen rückwärts in die Anlage einfuhren. Dass die Arbeitsbedingungen im inzwischen mehr als 80 Jahre alten Betriebshof sehr schlecht waren, zeigt ein einstündiger Streik vom 6. Dezember 1989. Die Beschäftigten wollten auf die unzureichenden Arbeitsbedingungen aufmerksam machen. Die Heizung ist so schwach, dass auch in den Hallen nur in dicken Wattejacken gearbeitet werden kann. Es fehle weiterhin an einfachsten Arbeitsmitteln wie Phasenprüfern, selbst Bohrmaschinen sind nicht in ausreichender Anzahl vorhanden. Die Schlosser arbeiten an einer Radsatzdrehbank von 1898, dem Eröffnungsjahr der Frankfurter Straßenbahn. Die Dachentwässerung sei trotz der seit den frühen 1980-er Jahren laufenden schrittweisen Sanierung des aus dem 19. Jahrhundert stammenden Betriebshofes so defekt, dass Regenwasser direkt in die Hallen läuft. Zahlreiche Hilfsmittel sind wegen fehlender Ersatzteile nicht funktionstüchtig. Eine für Lackierarbeiten 1989 umgebaute Halle bekommt keine Entlüftung, schwermetallhaltige Batterien werden unter gesundheitsgefährdenden Bedingungen neu geladen. Batteriesäure wird nicht entsorgt sondern jahrelang in Fässern auf dem Gelände gelagert, Öl wird in Regenabflüsse und damit direkt in die benachbarte Oder gepumpt. Dass dies alles kaum die Schuld der Beschäftigten des Verkehrsbetriebes ist, muss sicher nicht betont werden. Wie an vielen Stellen im damals russisch besetzten Teil unseres Landes wurde vor allem hinter den Kulissen gespart. Und wer weiß wie es vor den Kulissen aussah, ahnt was das für die nicht sichtbaren Betriebe wie eben die Wagenwerkstatt bedeutete.

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Betriebshof Neuberesinchen
 

Neben den bereits erwähnten Nachteilen des Betriebshofes in der Bachgasse war ein weiterer Grund für einen Umzug des Depots vorhanden. Direkt in der Innenstadt gelegen konnte der gründerzeitliche Bau nicht erweitert werden. Man fand daher einen Platz der Raum für ein großzügiges Depot bot. Kurz vor der Endstelle Neuberesinchen konnte über einen kurzen Abzweig ein solches Gelände erreicht werden. Zwar ist die Lage des neuen Standortes weit weniger zentral und die Endpunkte Westkreuz und Lebuser Vorstadt sind nun weiter vom Betriebshof entfernt, aber die Lage hinter dem einwohnerstarken Stadtteil Neuberesinchen hatte auch Vorteile. Denn nun können Ein- und Ausrücker gleich für Fahrten von und nach Neuberesinchen genutzt werden. Dadurch entfallen unwirtschaftliche Leerfahrten vor allem für die Linien Neuberesinchens. Die hohe Lage macht den Betriebshof, anders als beim alten Betriebshof in der Bachgasse unweit der Oder, für das Oderhochwasser unerreichbar. Bei außergewöhnlich starkem Regen könnte die jetzige Lage in einer Senke allerdings auch nachteilig werden. Im Jahr 1984 begannen die Bauarbeiten. Zur Eröffnung der Straßenbahnstrecke nach Markendorf im Oktober 1988 konnte in der Senke des heutigen Betriebshofes Neuberesinchen zumindest eine riesige Abstellfläche für Straßenbahnen in Betrieb genommen werden (siehe vorstehendes Foto). Damit konnte das Abstellen von Fahrzeugen auf jedem Meter verzichtbaren Netz aufgegeben werden. Das Gleisdreieck an der Johann-Eichorn-Straße wurde nun auch von der Linie 7 täglich zwischen 4 und 22.30 Uhr benötigt. Das Bild zeigt die damalige Abstellfläche am heutigen Standort des Depots im Jahr 1993. Noch standen die Fahrzeuge im Freien.

Foto: Michael Busse, Berlin


Im Jahr 1992 wurde die Abstellanlage am Standort des heutigen Betriebshofes mit einer Waschanlage ausgestattet und ab 1993 wurden auch die Busse der inzwischen gegründeten Stadtverkehrsgesellschaft mbH (SVF) hier abgestellt. 1998 konnte dann der Betriebshof vollständig in Betrieb genommen werden und es erfolgte der Umzug vom Depot in der Bachgasse. Dort befinden sich heute unter der Obhut der Museumswerkstatt für Technik und Verkehr Frankfurt (Oder) e.V. die historischen Tramfahrzeuge. Heute befinden sich neben den Wagenhallen für die Straßenbahnen und Busse am Standort Neuberesinchen auch die Werkstatt und die Leitstelle der StadtverkehrsGmbH (SVF). Im Sommer 2002 wurde ebenfalls eine Erdgastankstelle errichtet, setzt die SVF doch seitdem fast ausschließlich Erdgasbusse ein.

Foto: Ken Wegener, Frankfurt (Oder), Straßenbahn Frankfurt (Oder)


Zu erreichen ist der Betriebshof in der Böttnerstraße 1 mit dem Auto über die Güldendorfer oder die Darjesstraße. Die nächstgelegenen Haltestellen sind

Anders als im Betriebshof an der Bachgasse können die Bahnen nun ohne Rückwärtsfahrten von hinten in die Hallen einfahren und stehen dann in Fahrtrichtung bereit für das Ausrücken. Vorteilhaft ist auch eine Gleisschleife über Gleis 20 innerhalb des Betriebshofes. Somit können ebenfalls ohne Rückwärtsfahrten Positionen von Fahrzeugen im Betriebshof geändert werden. Die dargestellte Abstellhalle für Busse ist weit größer als im Gleisplan oben dargestellt. Ebenfalls hier angesiedelt ist die Leitstelle für Bus und Bahn über die der Standort jedes einzelnen Fahrzeuges auf Monitoren überwacht werden kann.

Grafik: Michael Busse, Berlin

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Gleisplan Betriebshof Neuberesinchen

Fotos Betriebsanlagen / Betriebshof Neuberesinchen

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